Vortragende 2022

Prof. Dr. Thomas Bugnyar ist Professor für kognitive Ethologie und leitet das Department für Kognitionsbiologie an der Universität Wien, das er ebenso wie die Forschungsanlage am Haidlhof mitbegründet hat. Einem breiten Publikum wurde Bugnyar u.a. durch seine Arbeit mit Raben an der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle in Grünau im Almtal bekannt. Er ist u.a. Träger des Nico-Tinbergen-Preises der Ethologischen Gesellschaft und des START-Preises des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Evolution von Intelligenz, kognitive Anforderungen des Sozialverhaltens und höhere kognitive Fähigkeiten bei Tieren. 

„Denken ist komplex. In unseren Untersuchungen testen wir kognitive Leistungen. Diese bilden einen Teilbereich des Denkens. Das zugehörige bewusste Erleben von Eindrücken, diesen subjektiven Teil des Denkens, können wir noch nicht richtig fassen. Aber wir können uns annähern.“

Priv.-Doz. Dr. Zsófia Viranyi studierte Biologie an der Eötvös Loránd University in Budapest (Ungarn) und untersuchte in ihrer Diplomarbeit, was Hunde und Kinder über das Wissen anderer wissen. Am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig untersuchte sie vergleichend das Wissen von Menschenaffen und Hunden. Ihre aktuellen Forschungen widmet sie Hunden und Wölfen. Sie ist Mitbegründerin und Co-Direktorin des Wolfforschungszentrums in Ernstbrunn (Niederösterreich) und des Clever Dog Lab. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören kognitive Entwicklung und Altern bei Hunden.

Dr. Marianne Wondrak studierte Agrarwissenschaften an der Technischen Universität München und Tiermedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität LMU München. Nach einem Jahr in der tierärztlichen Praxis für Tiere in der Landwirtschaft wechselte sie zum Deutschen Tierschutzbund, um ihre Erfahrungen auf politischer Ebene umzusetzen. Sie leitete an der Vetmeduni Wien sieben Jahre lang das „Clever Pig Lab“ des Messerli Forschungsinstitutes und betrieb Grundlagenforschung mit den Schwerpunkten „soziale Kognition“ und „soziale Taktiken“ von Schweinen. 

„Ich bin schon immer fasziniert davon, dass wir den Tieren um uns herum abverlangen, unsere Sprache und Zeichen zu lernen, während wir selbst sie so wenig verstehen. Mit meiner Arbeit versuche ich einen kleinen Beitrag zu mehr Verständnis zu leisten.“

Dr. Karin Hediger studierte Psychologie in Zürich und promovierte in Rostock zum Thema „Stressreduzierende Effekte von Hunden auf unsicher gebundene Kinder“. An der Universität Basel ist Hediger an der Fakultät für Psychologie tätig, zu ihrer Lehrtätigkeit gehört u.a. die tiergestützte Intervention bei Kindern. Sie leitet den Weiterbildungsstudiengang „Certificate of Advanced Studies in Tiergestützter Therapie“. Neben ihrer klinischen Tätigkeit erforscht sie mit ihrem Team als Postdoc im Rahmen eines SNF Ambizione Grants die psychobiologischen Effekte von Tieren auf den Menschen.  

An Tieren fasziniert mich besonders, dass wir mit ihnen tiefe gegenseitige Beziehungen erleben dürfen und dadurch erfahren, was Beziehung ausmacht. Dies berührt mich persönlich und interessiert mich aber auch in einem wissenschaftlichen Kontext als Psychotherapeutin sehr.

Prof. Dr. Achim Gruber leitet das Institut für Tierpathologie an der Freien Universität Berlin. Er ist Mitherausgeber und Co-Autor der beiden deutschen Standardwerke zur Pathologie und als einziger Tiermediziner ordentliches Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Nach mehr als 300 Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Fachpublikationen ist „Das Kuscheltierdrama“ sein erstes populäres Sachbuch.

Ich bin von klein auf mit vielen Haus- und Heimtieren groß geworden, ein Leben ohne Tiere wäre für mich kaum denkbar. Sich mit Tieren zu umgeben heißt für mich „Naturnähe in der Zivilisation“ und im sozialen Umfeld und somit höchste Lebensqualität. Ich fühle mich daher sehr privilegiert und bin dankbar, Tiere zu meinem Beruf gemacht haben zu können. Und dank meines Berufes darf ich auch manchmal ihr Anwalt sein!

Dipl.-TA Sabine Schroll studierte Veterinärmedizin an der Vetmeduni Wien und legte ihren Schwerpunkt auf die Verhaltensmedizin. Sie betreut, analysiert und therapiert verhaltensauffällige Katzen und geht auf die Suche nach den Grundursachen, um die Tiere gezielt behandeln zu können. Als Teil der Therapie erfolgt die Definition von „normalem“ Verhalten im Vergleich zu Verhaltensproblemen sowie die Klärung von grundlegenden Missverständnissen auf der Mensch-Tier-Ebene. Über Jahre hinaus ist sie als Vortragende, Lehrerin und Mentorin im gesamten deutschsprachigen Raum gebucht. 

Ich denke, Menschen sind schon von Natur aus mit Tieren verbunden im Sinne einer zwischenartlichen Beziehung – manchmal Freundschaft, manchmal einfach praktischer Nutzen – die es im Erwachsenwerden nicht zu verlieren gilt. Ich habe sie im Lauf meines Lebens gepflegt und meine social skills im Umgang mit Katzen sind heute mindestens so gut, wenn nicht besser als die mit Menschen 😉

Dipl-Psych. Robert Mehl ist Diplom-Psychologe und Kriminologe (M.A.). Seit 2016 ist er freiberuflich als Referent und Autor sowie Coach und Systemischer Berater tätig. Er ist Dozent bei dogument und D.O.G. People, mit Schwerpunkt auf den neurobiologischen Grundlagen von Lernen und Problemverhalten. Mit therapeutischen Zusatzausbildungen als „Systemischer Berater und Familientherapeut“ (DGSF) und für den „Professionellen Einsatz von Hunden in der Therapie“ (dogument) arbeitete er als Psychologe und Systemischer Therapeut mit seiner von dogument zertifizierten Therapiehündin in einer Jugendanstalt mit jungen Straftätern und leitete zudem den Kriminologischen Dienst des Landes Sachsen-Anhalt. 

Hunde sind für mich schon in meiner Jugend wichtige Sozialpartner gewesen, aktuell leben wir mit vier Hunden zusammen. In meinem Psychologiestudium sind sie mir als Modelle begegnet, an denen wichtige Konzepte der (Lern-)Psychologie (Pawlow, Klassische Konditionierung) und der Funktionsweise des Gehirns erforscht wurden, so dass ich dank ihnen auch die Psyche von Menschen, einschließlich mir selbst, besser verstehe.

In meiner Arbeit als Therapeut ist meine Therapiehündin eine wichtige Kollegin und Co-Therapeutin gewesen, ohne die ein Zugang zu manchen Lösungen für meine Klienten verschlossen geblieben wäre.

ao. Prof. i.R. Dr. Renée Schroeder ist Professorin für RNA-Biochemie und war Leiterin des Departments für Biochemie und Zellbiologie an der Universität Wien, Max F. Perutz Laboratories. Ihre Arbeit trug wesentlich zum Verständnis der RNA bei, die mehr ist als die Vermittlerin zwischen DNA und Proteinen. Schroeder wollte RNA-gesteuerte Ereignisse in ihrer Komplexität verstehen – und dabei auch der Antwort auf die Frage „Was ist Leben?“ ein Stück näherkommen. Sie ist u.a. Trägerin des Wittgensteinpreises und Eduard Buchner Preises. Nach 40 Jahren Forschung betreibt sie heute einen Kräuterbauernhof auf der Postalm im Salzburger Land.

Special Guest

Der Vorarlberger Schriftsteller Michael Köhlmeier ist als Bestsellerautor, Erzähler und Hörbuchsprecher international bekannt und vielfach ausgezeichnet. Weniger bekannt: In seinem jahrzehntelangen Zusammenleben mit Katzen entwickelte er sich zum Hobby-Verhaltensforscher. Sein Erfahrungswissen über die Eigenarten von Katzen hat er literarisch in seinen Roman „Matou“ einfließen lassen. Wortgewaltig erzählt das Katerchen von seinen sieben Leben, in denen er verschiedene Orte und Epochen kennenlernt.

ANIMALICUM-Besucher haben die Ehre, „Matou“ im Rahmen einer Lesung von Michael Köhlmeier ein Stück durch sein Leben zu begleiten.